HAUPTBEITRÄGE - THEMENTEIL https://doi.org/10.1007/s11612-020-00516-y Gr Interakt Org (2020) 51:169–176 Vertrauen und Führung im Kontext digitaler Arbeit Ariane Jäckel1 Online publiziert: 16. April 2020 © Der/die Autor(en) 2020 Zusammenfassung Der vorliegende Beitrag der Zeitschrift „Gruppe. Interaktion. Organisation. (GIO)“ untersucht die Relevanz von Vertrauen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter im Kontext der Digitalisierung und kommt zu dem Ergebnis, dass Vertrauen in Zukunft noch bedeutsamer wird. Der Beitrag gelangt zu dieser Erkenntnis, indem er die psycho-sozialen Auswirkungen der Digitalisierung auf organisationaler Ebene identifiziert und systematisch die möglichen Wirkzusammenhänge zu Vertrauen analysiert. Die Analyse ergibt, dass sich die Zahl der Anwendungsfelder für Vertrauen im Kontext der Digitalisierung deutlich erhöht, Machtausübung als alternatives Konzept an Potenzial verliert und Kontrolle die Funktion von Vertrauen sowie dessen positive Auswirkungen nicht ersetzen, aber ergänzen kann. Spezifische Implikationen zum Aufbau von Vertrauensbeziehungen im Kontext digitaler Arbeitswelten schließen diesen Beitrag ab. Schlüsselwörter Arbeit 4.0 · Digitalisierung · Führung · Kontrolle · Macht · Vertrauen Trust and leadership in the context of digital work Abstract This contribution to the journal “Gruppe. Interaktion. Organisation. (GIO)” investigates the relevance of trust between leaders and followers in the context of digitalization and comes to the conclusion that trust is getting even more important. The article reaches this conclusion by firstly identifying the psycho-social effects of digital work on an organizational level and secondly analyzing the possible interactions with trust. The analysis demonstrates that in the context of digitalization the application fields of trust are increasing significantly, whereas the potential of the alternative concept of power is decreasing while the concept of control can complement trust but cannot substitute the function and positive outcomes that trust has. The article ends with specific implications for the development of trust in the context of digital work. Keywords Control · Digitalization · Leadership · New work · Power · Trust 1 Einleitung Science-Fiction oder Realität? Vor kurzem wurde bekannt, dass sich Mitarbeiter von TUI Nordic einen Mikrochip im- plantieren lassen können, mit dem sie in der Lage sind, z.B. Türen zu öffnen oder den hauseigenen Snackautoma- ten zu bedienen (vgl. Läsker 2019). Nur ein Beispiel für die digitale Transformation der Arbeit. In ihr kumulieren die Megatrends der heutigen Zeit. Organisationen werden  Dr. Ariane Jäckel uni@ariane-jaeckel.de 1 Fachgebiet Arbeits- und Organisationspsychologie, Universität Kassel, Kassel, Deutschland u. a. durch neue Interaktionsformen, schnelleres und fle- xibleres Arbeiten sowie globale Kooperationen herausge- fordert. Sich erfolgreich diesen Herausforderungen zu stel- len, ist eine zentrale Gelingensbedingung organisationaler Führung. Als eine Schlüsselkomponente für diesen Erfolg wird wie selbstverständlich immer wieder Vertrauen ge- nannt (vgl. z.B. Diekhöner 2018; Schönfelder 2019). Wenn jedoch selbst der Snackautomat weiß, wann der Mitarbeiter während der Arbeit welchen Schokoriegel aus ihm heraus- holt, stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß Vertrauen in der Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter für erfolgreiches organisationales Handeln in einer digitalisier- ten Arbeitswelt noch relevant ist. Betrachtet man die bereits vorhandene Literatur zu dieser Fragestellung bzw. zum Thema Vertrauen und Digitalisie- K 170 A. Jäckel Abb. 1 Psycho-Soziale Aus- wirkungen der digitalen Trans- formation von Arbeit Einsatz digitaler Technik in Organisaonen Auswirkungen auf psycho- sozialer Ebene Komplexitätserweiterung Veränderung von Strukturen und Prozessen Räumliche und zeitliche Ungebundenheit Flache Hierarchien rung, so hat man zumeist die Wahl zwischen oberflächlich postulierten Zusammenhängen, z.B. „Was ist zu tun? Es ist ein Wandel hin zu einer offenen Unternehmenskultur zu schaffen, die von Vertrauen, Austausch und Kooperation getragen ist“ (Schmiech 2018, S. 22), sowie einigen kon- kreten Erkenntnissen, die sich jedoch auf sehr spezifische Aspekte der Thematik beziehen, z.B. „Die Effektivität von virtuellen Teams hängt demnach in größerem Umfang von Vertrauen ab“ (Werther et al. 2018, S. 54). Der vorliegende Artikel liefert einen Beitrag, um die dazwischen liegende Lücke konzeptionell zu schließen. Zu diesem Zweck wird zunächst ein systematischer Überblick über die möglichen Wirkzusammenhänge zwischen Vertrauen und Digitalisie- rung erarbeitet, um davon ausgehend die Relevanz von Ver- trauen zu beurteilen und konkrete Handlungsempfehlungen für die organisationale Praxis abzuleiten. 2 Aspekte einer digitalisierten Arbeitswelt Die Digitalisierung der Arbeitswelt wird in Deutschland insbesondere unter der Bezeichnung Arbeit 4.0 behandelt (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2016). Es handelt sich jedoch um kein festes Konzept, sondern eher um einen Sammelbegriff für die „Beschreibung zukünftiger Arbeitswelten, die von zunehmender Digitalisierung, Glo- balisierung und Individualisierung geprägt sind“ (Bruckner und Werther 2018, S. 17). Diese zukünftige Arbeitswelt um- fasst sowohl die verstärkte Nutzung digitaler Arbeitsmittel (E-Mail, Smartphones, Apps und Tablets sowie Robotik) als auch veränderte Formen der Zusammenarbeit im Be- trieb (z.B. Homeoffice, arbeiten von unterwegs, virtuelle Besprechungen) (vgl. Ahlers 2018). Der vorliegende Bei- trag schlägt die in Abb. 1 dargestellte Konzeptualisierung vor, um die digitale Transformation der Arbeitswelt auf der vertrauensrelevanten psycho-sozialen Ebene zu erfassen. Diese Konzeptualisierung lässt sich wie folgt erläutern: In den Aufzählungen der digitalen Techniken, die das Ar- beiten bereits jetzt und in naher Zukunft verändern, besteht große Einigkeit, wenn man von vagen Zukunftsvisionen ab- sieht: Big-Data, Cloud-Computing, Mobile Devices, neue Kommunikationskanäle, Internet der Dinge, Chipping, Ro- botik, Künstliche Intelligenz, Augmented Reality, E-Learn- ing etc. (vgl. z.B. Ahlers 2018; Schaff 2019). Diese Tech- niken werden in Organisationen primär eigesetzt, um öko- nomisch wertvolle Funktionen zu erfüllen, wie z.B. Pro- duktivitätssteigerung, Arbeitsentlastung, größere Netzwer- ke, verbesserte Organisation und Kommunikation, Wissens- transfer. Hierdurch wird ein Arbeitskontext generiert, der Auswirkungen auf die Psyche des Einzelnen sowie die so- ziale Interaktion in Organisationen hat (vgl. Abb. 1). Die für das Vertrauensphänomen relevanten psycho-sozialen Aus- wirkungen lassen sich auf Basis bereits bestehender Ansät- ze (vgl. z.B. Hirsch-Kreinsen 2015; Werther et al. 2018) wie folgt zusammenfassend benennen:  Komplexitätserweiterung,  Veränderung von Strukturen und Prozessen,  räumliche und zeitliche Ungebundenheit sowie  flache Hierarchien. Was diese Auswirkungen für Führungskräfte und Mitar- beiter bedeuten und welche Wirkzusammenhänge zu Ver- trauen bestehen, ist Gegenstand der folgenden Ausführun- gen. 3 Vertrauen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter im Kontext der Digitalisierung Vertrauen ist ein Phänomen, das ubiquitär relevant und gleichzeitig schwer fassbar ist (vgl. Endress 2002). Da- her wird es in der Praxis und in der Wissenschaft zu Un- recht häufig synonym zu Begriffen wie Vertrautheit, Zu- versicht, Voraussehbarkeit oder Vertrauenswürdigkeit ver- wendet (vgl. Geramanis 2001; Mayer et al. 1995). Da- bei formuliert die organisationale Vertrauensforschung in- zwischen einen klar umrissenes Konzept (vgl. Möllering et al. 2004): Bei Vertrauen handelt es sich um eine spe- zifische positive Erwartung in den Vertrauensnehmer, die auf einer kontingenzbewältigenden Komplexitätsreduktion („leap of trust“ Möllering 2001, p. 413) basiert, aus der heraus dann schließlich eine handlungsbefähigende Bereit- schaft sich verletzlich zu machen resultiert (vgl. Luhmann 2000 [1968]; Mayer et al. 1995). So hat z.B. eine vertrau- ende Führungskraft die sichere Erwartungshaltung, dass ihr Mitarbeiter in ihrem Sinne handelt (obwohl vieles ande- res möglich wäre), und kann auf dieser sicheren Erwartung ihr eigenes Handeln und das Handeln anderer, denen sie ebenfalls vertraut, aufbauen lassen. Die Besonderheiten der Vertrauensbeziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter liegen darin begründet, dass diese in einem organisationalen Rahmen und mit einem K Vertrauen und Führung im Kontext digitaler Arbeit 171 unterschiedlich stark ausgeprägten hierarchischen Gefäl- le, durch das die Führungskraft Macht über den Mitarbei- ter erhält, stattfindet (vgl. Jäckel 2018). Sowohl aus Füh- rungskraft- als auch aus Mitarbeiterperspektive ist Vertrau- en ein wichtiger Bestandteil dieser organisationalen Bezie- hung und erfüllt für beide Parteien wichtige Funktionen. Das Vertrauen des Mitarbeiters in die Führungskraft steht z.B. in einem engen Zusammenhang mit der Arbeitszu- friedenheit des Mitarbeiters (vgl. Dirks und Ferrin 2002). Es fördert das Gefühl der Sicherheit in Bezug auf die Ar- beit sowie den Arbeitsplatz und erhöht gleichzeitig das Au- tonomieerleben des Mitarbeiters (vgl. Jäckel 2018). Aus der Sicht der Führungskraft ermöglicht Vertrauen insbeson- dere die Koordination komplexer organisatorischer Hand- lungen, zu denen diese ohne eine sichere positive Erwar- tungshaltung an ihre Mitarbeiter nicht imstande wäre (vgl. Bachmann 2003). Auch ein positiver Zusammenhang zur Arbeitsleistung, zum Organizational-Citizenship-Behavior (OCB) und zur Selbstwirksamkeit sowie eine verbesserte Kommunikation und der Transfer von Wissen werden durch Studien hinreichend belegt (vgl. Burke et al. 2007; Dirks und Ferrin 2002). Vertrauen konkurriert in der Beziehung zwischen Füh- rungskraft und Mitarbeiter aus Sicht der Führungskraft mit der Ausübung hierarchisch bedingter Macht und Kontrolle. Sowohl Macht als auch Kontrolle können auf unterschied- liche Weise ebenfalls dazu genutzt werden, eine sichere Grundlage für organisatorisches Handeln zu erlangen (vgl. Bachmann 2003; Mayer et al. 1995). 3.1 Wirkzusammenhänge zwischen Vertrauen und den Auswirkungen der Digitalisierung in Organisationen Im Folgenden werden die möglichen Wirkzusammenhän- ge des Vertrauens zwischen Führungskraft und Mitarbeiter und den Auswirkungen der Digitalisierung auf psycho-so- zialer Ebene analysiert (vgl. Abb. 2). Inwieweit Macht und Kontrolle hierbei eine Alternative zu Vertrauen darstellen, wird im nächsten Abschnitt (vgl. Abschn. 3.2) diskutiert. Komplexitätserweiterung Zu den wesentlichen Folgen der Digitalisierung zählt die erweiterte Komplexität von Arbeit (vgl. Kap. 2). Dieser Umstand bedarf jedoch der Klärung, da digitale Technik unter anderem das Gegenteil bewirken und Arbeitsvorgänge erleichtern und vereinfachen soll. Ein Vertrauen Risiko-Bereitscha Komplexitätsredukon Posive ErwartungEinsatz digitaler Technik in Organisaonen Auswirkungen auf psycho- sozialer Ebene Komplexitätserweiterung Veränderung von Strukturen und Prozessen Räumliche und zeitliche Ungebundenheit Flache Hierarchien Abb. 2 Mögliche Wirkzusammenhänge von Vertrauen im Kontext digitaler Arbeit gutes Beispiel hierfür ist die Möglichkeit, mit wenigen Ein- gaben von überall und zu jeder Zeit mit seinem Tablet oder Smartphone wichtige Daten über das Internet abzu- rufen, zu senden und sich zu vernetzen. Dieser Vorgang an sich bedeutet zunächst einen Gewinn an Flexibilität sowie eine Arbeits- und Zeitersparnis. Die Zeitersparnis bedeu- tet jedoch in einem ökonomischen Kontext zumeist nicht, dass Führungskräfte und Mitarbeiter hierdurch mehr Zeit haben, sondern dass in der gleichen Zeit mehr gearbeitet werden kann. Zudem entstehen durch die Technik viel- fältige neue Möglichkeiten des Arbeitens, aus denen die sinnvollste ausgewählt werden muss (vgl. Kap. 2). Wie die Ausführungen verdeutlichen, entsteht die Komplexität, die mit der Digitalisierung einhergeht, durch Akzeleration und Vervielfältigung der Möglichkeiten. Sie führt letztlich da- zu, dass ein einzelner Mensch organisationale Prozesse und Strukturen nicht mehr als Ganzes detailliert erfassen kann. Sowohl Führungskraft als auch Mitarbeiter stehen vor der Herausforderung damit umzugehen. Insbesondere die Füh- rungskraft steht vor der Herausforderung, dass sie komplexe organisatorische Handlungen bzw. Prozesse nur dann koor- dinieren kann, wenn sie sich auf ihre Mitarbeiter verlassen kann bzw. sie davon ausgehen kann, dass ihre Erwartun- gen nicht enttäuscht werden. Ein Beispiel hierfür ist das Durchführen von Projekten in einem akzelerierten und fle- xibilisierten digitalen Arbeitskontext, die von der Führungs- kraft nur geplant und realisiert werden können, wenn die positive Erwartung besteht, dass die Mitarbeiter die kom- plexen, ineinandergreifenden bzw. voneinander abhängigen Arbeitspakete planmäßig umsetzen. Vertrauen leistet genau das. Es führt zu positiven Erwartungen in das Verhalten an- derer und ermöglicht so die Koordination und Umsetzung komplexer Handlungen, die von der Verwirklichung auf- einander aufbauender Erwartungen in andere abhängig ist (vgl. Bachmann 2003). Veränderung von Strukturen und Prozessen Die Digitali- sierung der Arbeit ist ein Prozess, der viele, unterschiedlich tief greifende Veränderungen in Organisationen hervorruft. Das fängt bei mobilen Endgeräten, veränderten Kommu- nikationskanälen sowie Vernetzung an und reicht bis zu vollautomatisierten Prozessen oder Mitarbeitern, bei de- nen, wie im eingangs erwähnten Beispiel (vgl. Kap. 1), Mikrochips implantiert werden. Diese Veränderungen, die organisationale Verbesserungen herbeiführen sollen, rufen jedoch nicht nur Begeisterung, sondern auch Unsicherhei- K 172 A. Jäckel ten und Widerstände bei den Mitarbeitern hervor, die sich z.B. übergangen und überfordert fühlen, Angst um ihre Freiheiten oder sogar Angst um ihre Arbeitsstelle haben. „Um mit dieser Unsicherheit besser umgehen zu können, benötigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr denn je Führungskräfte, auf die sie sowohl persönlich als auch fachlich zählen können. MitarbeiterInnen müssen ihren Führungskräften vertrauen können“ (Malczok und Kirch- hoff 2019, S. 223). Es ist keine neue Erkenntnis, dass Vertrauen eine wichtige Rolle für Veränderungsprozesse spielt (vgl. Hoe 2007). Die Begründung hierfür ist, dass sowohl Führungskraft als auch Mitarbeiter während des Veränderungsprozesses Risiken eingehen müssen, damit dieser schlussendlich gelingen und nachhaltig implemen- tiert werden kann. Vertrauen ermöglicht das Eingehen dieser Risiken. Mitarbeiter vertrauen z.B. ihrer Führungs- kraft, dass die Automatisierung bestimmter Arbeitsabläufe nicht dazu führt, dass die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren oder durch das Sammeln von Daten (z.B. durch Leistungs- und Zeiterfassungssysteme, Messenger-Nach- richten, GPS-Daten) ihre Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Führungskräfte vertrauen umgekehrt ihren Mitar- beitern, dass diese den Veränderungsprozess mit all ihrer Kompetenz unterstützen. Hierzu gehört auch der Transfer von Wissen, der ein wesentlicher Bestandteil organisatio- nalen Lernens und eines jeden Veränderungsprozesses ist (vgl. Hoe 2007). Vertrauen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter beseitigt Unsicherheiten und befördert somit das Gelingen von Veränderungsprozessen, die im Kontext der beständig voranschreitenden Digitalisierung nicht mehr die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel im organisatio- nalen Arbeitsalltag darstellen. Räumliche und zeitliche Ungebundenheit Ein weiterer be- deutsamer Aspekt, wie die Digitalisierung schon jetzt unse- ren Arbeitsalltag verändert, ist die räumliche und zeitliche Ungebundenheit bzw. Flexibilisierung von Arbeit, die von einigen, mit negativer Konnotation, auch als räumliche und zeitliche Entgrenzung bezeichnet wird (vgl. Hirsch-Krein- sen 2015; Werther et al. 2018). Es ist in vielen Fällen nicht mehr nötig und gegebenenfalls auch nicht effizient, dass alle Mitarbeiter sich zu einer bestimmten Zeit an einem be- stimmten Ort versammeln, um ihrer Arbeit nachzugehen. Gleiches gilt nicht nur für die zu verrichtende Arbeit, son- dern auch für die gemeinsame Kommunikation. Dies hat viele Vorteile, doch es ist offensichtlich, dass sowohl Mitar- beiter als auch insbesondere Führungskräfte hierbei Risiken eingehen, damit diese Form der freien Arbeit funktioniert. Beispiele hierfür sind die Konzepte des Homeoffice und der Vertrauensarbeitszeit, bei denen die Führungskraft das Ri- siko eingeht, dass der Mitarbeiter nicht so lange und fokus- siert wie erwartet arbeitet, und der Mitarbeiter befürchten muss, dass seine Arbeit nicht wahrgenommen und wertge- schätzt wird. Wenn Führungskraft und Mitarbeiter jedoch einander vertrauen, tritt eine sichere, positive Erwartungs- haltung an die Stelle der zuvor bestehenden Kontingenz, auf deren Basis die mit Risiken versehene freie Arbeitsform er- folgreich realisiert werden kann. Vertrauen kann somit ent- scheidend zum Eingehen der Risiken, die mit einer räum- lich und zeitlich ungebundenen Arbeit einhergehen, beitra- gen (vgl. Deutsche Gesellschaft für Personalführung 2016). Allerdings erzeugen die räumliche Distanz und die damit verbundene Kommunikation über digitale Kanäle auch Bar- rieren für den Vertrauensaufbau (vgl. Kauffeld et al. 2016); denn entscheidend für den Aufbau von Vertrauen ist die Vertrauenswürdigkeit einer Person, die durch die Zuschrei- bung von Kompetenz, Wohlwollen und Integrität entsteht (vgl. Mayer et al. 1995). Um diese drei Eigenschaften zu at- tribuieren, werden jedoch Informationen über den Vertrau- ensnehmer benötigt, welche in persönlicher Face-To-Face- Interaktion deutlich einfacher gewonnen werden können als über digitale Kommunikation, bei der immer Informationen über Person und Kontext durch die Beschränkungen des je- weiligen Kommunikationskanals verlorengehen. Flache Hierarchien Vor dem Hintergrund digitaler Trans- formation wird die Verflachung von Organisationsstruktu- ren gefördert und der hierarchische Unterschied zwischen Führungskraft und Mitarbeiter wird zunehmend nivelliert (vgl. z.B. Depiereux und van Alphen 2018). Dies lässt sich zum einen damit begründen, dass Organisationen versuchen Hierarchien abzubauen, da ihnen ansonsten die notwendi- ge Agilität in digitalen Märkten fehlt. Zum anderen führt die Digitalisierung dazu, dass Informationsprivilegien ver- lorengehen, die in einer hierarchischen Organisation zur Legitimation von Führung beitragen. Somit ist der einzelne Mitarbeiter deutlich besser informiert und gleichzeitig zu autonomeren Handlungen befähigt (vgl. Kruse und Schom- burg 2016). Diese flachen Hierarchien, denen eine Organi- sationskultur der Kooperation und Gleichberechtigung zu- grunde liegt, begünstigen den Aufbau von Vertrauensbezie- hungen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Hierfür lassen sich zwei Ursachen benennen: zum einen erschei- nen für den Mitarbeiter die Risiken in der Beziehung zwi- schen Führungskraft und Mitarbeiter aufgrund des größeren Autonomieerlebens geringer, was den Einstieg in den Ver- trauensaufbau erleichtert, und zum anderen verfügen Füh- rungskräfte über weniger Alternativen zu Vertrauen, da ihre Macht schwächer ist als in Organisationen mit ausgepräg- ten Hierarchien (vgl. Bachmann 2003). Dies hat zur Folge, dass Autorität und Macht einer Zusammenarbeit weichen, „die auf Vertrauen und Kooperation basiert“ (Werther et al. 2018, S. 48). K Vertrauen und Führung im Kontext digitaler Arbeit 173 3.2 Macht und Kontrolle – Mögliche Alternativen zu Vertrauen in einer digitalen Arbeitswelt? Die Analyse der oben stehenden Wirkzusammenhänge ver- deutlicht, dass Vertrauen ein bedeutsames Potenzial besitzt, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu bewälti- gen. Dies bedeutet in der Folge jedoch nicht zwingend, dass es neben Vertrauen keine alternativen Konzepte gibt, die für eine Führungskraft eine vergleichbare oder eventuell noch bessere Wahl bieten. Eine bislang unerwähnte Problematik von Vertrauen besteht schließlich darin, dass es enttäuscht werden kann und auf diese Weise sowohl auf der persön- lichen als auch auf der organisatorischen Ebene schwere Schäden entstehen können (vgl. Skinner et al. 2014). Zur „dark-side of trust“ (Gargiulo und Ertug 2006) gehört zu- dem das Phänomen des blinden Vertrauens, bei welchem in einem zu hohen Ausmaß vertraut wird, was dann z.B. zu irrationalen Entscheidungen und mangelnder Innovations- fähigkeit führen kann (vgl. Molina-Morales et al. 2011). Ebenso muss noch der anfängliche Aufwand für den Auf- bau einer Vertrauensbeziehung berücksichtigt werden, der durch die räumliche und zeitliche Ungebundenheit von Ar- beit sogar noch größer wird (vgl. Abschn. 3.1). Als Alternative stehen durch ihre Funktion das Aus- üben von Macht und Kontrolle in Konkurrenz zu Vertrau- en. Macht kann im organisationalen Kontext definiert wer- den als das Vermögen, andere Parteien durch die Kontrolle von Ressourcen (z.B. Sanktion, Legitimation, Informati- on) zu beeinflussen (vgl. Raven et al. 1998). Machtaus- übung funktioniert auf ähnliche Weise wie Vertrauen, je- doch mit dem Unterschied, dass sich die positiven Erwar- tungen nicht aus der Vertrauenswürdigkeit des Mitarbei- ters ergeben, sondern aus den negativen Sanktionen, die dem Mitarbeiter bei Nicht-Erfüllung der Erwartung drohen (vgl. Bachmann 2003; Jäckel 2018; von Ameln und Kramer 2012). Im Kontext der Digitalisierung wird Machtausübung als Alternative zu Vertrauen jedoch dadurch geschwächt, dass die digitale Umgestaltung von Organisationen wie be- reits erwähnt hierarchische Unterschiede zunehmend nivel- liert (vgl. Abschn. 3.1). Flache Hierarchien bedeuten we- niger Macht für die Führungskräfte einer Organisation und somit auch weniger Möglichkeiten, um mittels Machtaus- übung Komplexität zu reduzieren und Erwartungen erfolg- reich zu koordinieren. Die zweite Alternative zu Vertrauen, Kontrolle im Sinne von Beaufsichtigung und Überprüfung, ist zunächst ein- mal unabhängig von Macht im oben definierten Sinn der Einflussnahme zu betrachten. Sie funktioniert anders als Machtausübung und Vertrauen nicht als Mittel zur Komple- xitätsreduktion. Bei Kontrolle geht es im Gegenteil darum, sich die Komplexität der Arbeit des jeweiligen Mitarbeiters als Führungskraft durch Beaufsichtigung zu eigen zu ma- chen, um auf diese Weise sicherzustellen, dass die eigenen Erwartungen nicht enttäuscht werden. Aus ökonomischer Sicht hat Kontrolle somit im Vergleich zu Vertrauen im- mer den Nachteil der sehr hohen Transaktionskosten (vgl. Williamson 1993). Seine Mitarbeiter zu kontrollieren, ist deutlich aufwändiger, als ihnen zu vertrauen. Im Rahmen der Digitalisierung wird die Mitarbeiterkontrolle jedoch er- heblich vereinfacht. So lassen sich z.B. bereits jetzt alle Schritte, die ein Mitarbeiter am Computer vollzieht, pro- tokollieren und die Produktivität eines Mitarbeiters kann durch digitale Messstationen statistisch ausgewertet wer- den. Neben der Tatsache, dass solchen Kontrollen je nach Staat auch rechtliche Grenzen gesetzt sind, gibt es aber auch Bereiche, in denen Kontrolle gar nicht vollständig di- gital stattfinden kann. So sind z.B. die Erarbeitung eines neuen Konzeptes oder die Planung eines Projektes sowie alle anderen Tätigkeiten, die gedanklich zu komplex sind, um deren Qualität digital zu operationalisieren, nach wie vor nur durch die Führungskraft selbst zu kontrollieren. In Anbetracht der oben stehenden Ausführungen ergibt sich der Schluss, dass Macht aufgrund der verflachenden Hierarchien an Bedeutung als Alternative zu Vertrauen ver- liert und Kontrolle aufgrund besserer Automatisierungs- möglichkeiten an Attraktivität gewinnt. Dennoch bleibt Ver- trauen auch im Vergleich mit Kontrolle das attraktivere Konzept. Dies lässt sich dadurch begründen, dass Vertrauen im Gegensatz zu Kontrolle und Macht noch viele weitere positive Effekte auf Ebenen und Feldern hat, die für Orga- nisationen im Allgemeinen und im Zuge der Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen (vgl. Kap. 3. und Abschn. 3.1). 4 Ergebnisse und praktische Implikationen Die vorangehende Analyse verdeutlicht eindrücklich, dass das Vertrauen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter im Kontext der Digitalisierung nicht nur bedeutsam bleibt, son- dern sogar noch bedeutsamer wird. Die Begründung hierfür liegt in einer Vermehrung der Anwendungsfelder sowie den Umständen, dass Macht als Alternativkonzept an Bedeu- tung verliert und auch digitale Kontrollmöglichkeiten Ver- trauen gegebenenfalls ergänzen, aber nicht ersetzen können (vgl. Abb. 3). Vertrauen ermöglicht die Bewältigung der Komplexität der vielfältigen neuen Arbeitsformen, indem es Führungs- kräfte und Mitarbeiter dazu befähigt, positive Erwartungen zu entwickeln und diese untereinander zu koordinieren. Ver- trauen führt dazu, dass Führungskräfte und Mitarbeiter be- reit sind, Risiken einzugehen und Unsicherheiten zu über- winden, die mit beständigen Veränderungen und der räum- lichen und zeitlichen Ungebundenheit von Arbeit einher- gehen. Die Nivellierung hierarchischer Unterschiede führt schließlich dazu, dass Macht als Alternativkonzept zu Ver- trauen geschwächt wird. Auch digitale Kontrollmöglichkei- K 174 A. Jäckel Abb. 3 Ergebnisse und prakti- sche Implikationen Vertrauen Auswirkungen auf psycho- sozialer Ebene Mehr Anwendungsfelder Macht als Alternave verliert an Bedeutung Analyse-Ergebnisse Praksche Implikaonen Spezifische Vertrauensförderung im Kontext der Digitalisierung Allgemeine Vertrauensförderung Kontrolle kein Ersatz Einsatz digitaler Technik in Organisaonen ten sind nicht in der Lage, Vertrauen zu ersetzen, da diese trotz vieler neuer Möglichkeiten und niedrigerer Transakti- onskosten, einen eingeschränkten Anwendungsbereich ha- ben und ein Fehlen der vielen weiteren positiven Auswir- kungen von Vertrauen nicht kompensieren können. Somit wird deutlich, dass die Ausbildung von Vertrauensbezie- hungen im Rahmen der digitalen Transformation eine loh- nende Investition ist, die es mit gezielten Maßnahmen zu fördern gilt (vgl. Abb. 3). Tab. 1 zeigt die auf den Ergebnissen dieses Beitrags ba- sierenden Handlungsempfehlungen zur Förderung von Ver- trauen im Überblick. Die in Tab. 1 genannten allgemeinen Empfehlungen werden zugunsten einer Ausführung der spe- zifischen Empfehlungen im Folgenden nicht weiter vertieft, da die generellen Bedingungen, die Vertrauensbeziehungen befördern, bereits in vielen Publikationen grundlegend be- schrieben werden (vgl. z.B. Burke et al. 2007; Dirks und Ferrin 2002; Jäckel 2018; Mayer et al. 1995). Zu den besonderen Herausforderungen der Digitalisie- rung zählt die räumliche und zeitliche Ungebundenheit von Arbeit, die dazu führt, dass Führungskraft und Mitarbei- ter seltener Face-To-Face interagieren und somit auch we- niger Gelegenheit zum Aufbau von Vertrauen bekommen (vgl. Abschn. 3.1). Um dieser Herausforderung zu begeg- nen, empfiehlt der vorliegende Beitrag zum einen, neue Mitarbeiter mit einem Trust-Boarding in das Unternehmen einzuführen, und zum anderen, das institutionen-basierte Vertrauen stärker zu fördern. Die im Folgenden skizzierte Idee eines Trust-Boardings leitet sich von dem Personalbe- reich gebräuchlichen Begriff des Onboardigs ab, der für die Einarbeitungsphase neuer Mitarbeiter steht (vgl. Springer- Gabler 2018). Mit Trust-Boarding ist somit eine Einarbei- tungsphase gemeint, die einen besonderen Fokus auf ver- trauensbildende Maßnahmen legt. In dieser Phase hat die Führungskraft die Gelegenheit, dem Mitarbeiter zu vermit- teln, dass sie kompetent, wohlwollend sowie integer und somit vertrauenswürdig ist (z.B. durch persönliche Gesprä- che, in denen der berufliche Werdegang, Wertvorstellungen sowie Perspektiven zur Personalentwicklung dargelegt wer- den). Nachhaltig gelingt dies natürlich nur, wenn die Füh- rungskraft hierbei authentisch bleibt. Dann können Füh- rungskraft und Mitarbeiter die spätere Arbeitsbeziehung, bei der virtualisierte Formen der Zusammenarbeit (z.B. Telekooperation) den Vertrauensaufbau erschweren, bereits auf einem höheren Vertrauenslevel starten und müssen das Vertrauen nicht erst auf die Entfernung hin entwickeln. Als ergänzende Maßnahme empfiehlt sich die Förderung des in- stitutionen-basierten Vertrauens. Hiermit ist interpersonel- les Vertrauen gemeint, bei dem die Vertrauenswürdigkeit ei- ner Person wesentlich von der Organisation bzw. Institution abhängig ist, der diese Person durch den Vertrauensgeber zugerechnet wird (vgl. Zucker 1986). Eine Führungskraft, die einer Organisation angehört, die vertrauenserweckende Strukturen institutionalisiert hat, wird eher als vertrauens- würdig eingestuft, als eine Führungskraft, die einer Orga- nisation angehört, die keine solchen oder sogar gegenteili- ge Strukturen institutionalisiert hat. Dies gilt insbesondere dann, wenn Führungskraft und Mitarbeiter sich selten per- sönlich begegnen, wie es durch räumliche und zeitliche Un- gebundenheit von Arbeit immer häufiger der Fall ist. Kon- kret bedeutet dies, dass eine Organisation möglichst viele Strukturen schaffen sollte, die als kompetent, wohlwollend und integer wahrgenommen werden. Dazu gehören z.B. in- stitutionalisierte Angebote der persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung (z.B. Fortbildungen und gesicherte Auf- stiegschancen), Angebote zur Verwirklichung von Work- Life-Balance (z.B. familienfreundliche Arbeitszeiten, be- triebsinterne Kindergärten und Sportangebote), Mechanis- men der Selbstkontrolle und -evaluation (z.B. 360-Grad- Feedback, Ideenmanagement bzw. Vorschlagswesen) sowie die Verankerung dieser Werte im organisationalen Leitbild und vieles mehr. Entscheidend für den Erfolg solcher or- ganisationaler Strukturen ist, dass diese nicht nur formal existieren, sondern auch tatsächlich und verlässlich gelebt werden. Nur so kann die Attribuierung von Vertrauenswür- digkeit langfristig Bestand haben. Der letzte Aspekt, über den im Rahmen der praktischen Implikationen gesprochen werden muss, betrifft die durch K Vertrauen und Führung im Kontext digitaler Arbeit 175 Tab. 1 Allgemeine und spezifische Handlungsempfehlungen im Überblick Handlungsempfehlungen zur Förderung von Vertrauen Allgemein Stärkung der Vertrauenswürdigkeit der Führungs- kraft Vertrauensvorschuss durch die Führungskraft Delegation relevanter Aufgaben an Mitarbeiter Förderung der Selbstwirksamkeitserfahrung des Mitarbeiters Systemisches Denken und Handeln Spezifisch im Digita- lisierungs- Kontext Trust-Boarding (erster Kontakt) Stärkung des institutionen-basierten Vertrauens (auf organisationaler Ebene) Gezielter Einsatz neuer Formen digitaler Kontrolle Digitalisierung neu ermöglichten Kontrollformen. Denn es scheint evident, dass in manchen Bereichen Vertrauen nicht mehr notwendig ist, da die zu bewältigende Unsicherheit durch aus digitaler Kontrolle gewonnenem Wissen effizient beseitigt werden kann. So kann z.B. die Anwesenheit ei- nes Mitarbeiters bzw. sein Standort auf verschiedene Weise digital erfasst und verfolgt werden. Sowohl aus ethischer Perspektive als auch aus ökonomischer Perspektive ist je- doch Vorsicht geboten und genau zu analysieren, ob tatsäch- lich alle Kontrollen, die digital ermöglicht werden, auch tatsächlich durchgeführt werden sollten. Kontrollen sollten nur dann eingesetzt werden, wenn sie das Vertrauen zwi- schen Führungskraft und Mitarbeiter nicht stören. Denn wie oben ausgeführt, hat Vertrauen vielfältige positive Effekte, die nicht durch die aus Kontrolle entstandene Gewissheit in einem begrenzten Bereich aufgewogen werden können (vgl. Kap. 3). Ein Mitarbeiter, der das Gefühl hat, dass seine Ar- beit kontrolliert wird, weil ihm nicht vertraut wird, wird weniger zufrieden mit seiner Arbeit sein, sich unsicherer fühlen, mehr negativen Stress haben, weniger Wissen tei- len und letztlich auch weniger produktiv sein. Dennoch gibt es auch im Rahmen einer Vertrauensbeziehung Möglich- keiten für Kontrolle. Kontrollen können insbesondere dann mit Vertrauen einhergehen, wenn sie nicht einseitig von der Führungskraft genutzt werden. Geeignet für die Ver- trauensbeziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter sind daher z.B. digitale Kontrollen, die der Selbstkontrol- le des Mitarbeiters dienen und deren Daten nur für den Mitarbeiter bestimmt sind. Ein noch größeres Potenzial für die Vertrauensbildung ist zu erwarten, wenn Kontrollen von Mitarbeiter und Führungskraft zusammen durchgeführt und evaluiert werden, um darauf aufbauend gemeinsame Opti- mierungsvorschläge abzuleiten. 5 Ausblick Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat begonnen und wird sich mit der voranschreitenden technischen Entwicklung immer weiter entwickeln. Die oben stehenden Ausführun- gen verdeutlichen, dass Vertrauen den Prozess der Digi- talisierung an vielen Stellen positiv unterstützen kann und somit in Zukunft noch bedeutsamer für ein erfolgreiches or- ganisationalen Handeln wird. Der vorliegende Beitrag be- schränkt sich dabei bewusst auf ein konzeptionelles Auf- zeigen dieses Potenzials und möglicher Erklärungen in Be- zug auf die Wirkzusammenhänge zwischen Vertrauen und den einzelnen Aspekten der Digitalisierung. In diesem Sin- ne füllt er eine Lücke zwischen vielfachen oberflächlichen Bezügen und Studien, die sich lediglich auf einen spezifi- schen Teilaspekt beziehen. Der Beitrag schafft so eine the- matische Grundlegung, die neue Perspektiven für weiter- führende empirische Studien eröffnet. Hierbei bieten sich sowohl quantitative als auch qualitative Studien an, die den Zusammenhang zwischen Vertrauen und spezifischen di- gitalen Phänomenen im organisationalen Kontext differen- zierter betrachten wollen, als dies bislang häufig der Fall ist; z.B. zu den Themen Automatisierung, digitale Organi- sationsstrukturen und -kultur, digitales Lernen, Controlling- und Trackingsysteme u.v.m. Abschließend verdeutlicht der Beitrag, dass zukünftige Führungsmodelle im Kontext der digitalen Transformation Vertrauen noch stärker als bisher miteinbeziehen müssen. Die aus den Erkenntnissen abge- leiteten praktischen Implikationen sollen dabei helfen, eine Führung zu entwickeln, die erfolgreich Vertrauensbeziehun- gen zu den Mitarbeitern etabliert und gleichzeitig neuge- wonnene Möglichkeiten digitaler Kontrolle integriert. Funding Open Access funding provided by Projekt DEAL. 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Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de. K 176 A. Jäckel Literatur Ahlers, E. (2018). Die Digitalisierung der Arbeit. Verbreitung und Ein- schätzung aus Sicht der Betriebsräte. WSI Report. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung. von Ameln, F., & Kramer, J. (2012). Macht und Führung. Gruppendy- namik und Organisationsberatung, 43(2), 189–204. Bachmann, R. (2003). Trust and power as means of coordinating the internal relations of the organization: A conceptual framework. In B. Nooteboom & F. Six (Hrsg.), The trust process in organizati- ons: Empirical studies of the determinants and the process of trust development (S. 58–74). Cheltenham: Edward Elgar. Bruckner, L., & Werther, S. (2018). Allgemeiner Überblick über Ar- beit 4.0. In I. S. Werther & L. Bruckner (Hrsg.), Arbeit 4.0 aktiv gestalten (S. 15–22). Berlin: Springer. Bundesministerium für Arbeit und Soziales. (2016). 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Im Rahmen ih- rer wissenschaftlichen Arbeit leitete sie unterschiedliche Praxisprojekte mit großen Industrieunternehmen und Non-Profit-Organisationen. Ihr derzeitiges Forschungsinteresse umfasst die Themengebiete Lernen, Führung, Vertrauen und Veränderungsmanagement. K